Kinaesthetics = Bewegungswahrnehmung

kinaesthetics Der Begriff "Kinaesthetics" setzt sich zusammen aus den Wörtern "kinetic" (den Bewe- gungssinn betreffend) und "aesthetic" (stilvoll, schön). Kinaesthetics will den Men- schen helfen, ihre Bewegung bewusst wahrzunehmen und als Ressource zu nutzen. In der Pflege ermöglicht dies gezielte und professionelle Hilfe zur Selbsthilfe.
 
Kinaesthetics bedeutet Bewegungsunterstützung ohne Anhebung des Körpergewichts eines Betroffenen. Bewegung wird mittels Gewichtsverlagerung jeweils entlasteter Körperteile erreicht, wodurch der Mensch autonome Kontrolle seines Bewegungsablaufes erfährt. Auf diese Weise reduzieren sich Bewegungsängste dauerhaft und die Bewegungskompetenz verändert sich.


 

Kinaesthetics 
In der Übersicht

 >> Kinaesthetics: Die Inhalte

 >> Kinaesthetics: Die Grundidee

 >> Kinaesthetics: Die Wirkung

 >> Kinaesthetics: Die Anwendung

 >> Kinaesthetics: Das Ziel

 >> Kinaesthetics: Die Organisation

 >> Kinaesthetics: Die Geschichte

Kinaesthetics: Die Inhalte
 
Der Begriff Kinaesthetics lässt sich als "Kunst/Wissenschaft der Bewegungswahrnehmung" übersetzen und beinhaltet hauptsäch- lich:
 
 • Entwicklung differenzierter und bewusster Wahrnehmung
    eigener Bewegung.
 • Entfaltung eigener Bewegungskompetenz, d.h. eines gesunden
    und flexiblen Einsatzes eigener Bewegung.
 • Differenzierte Analyse menschlicher Aktivitäten, fundierend auf
    Basis des Erfahrungsblickwinkels von Kinaesthetics.
 • Fähigkeit, eigene Bewegung im Kontakt mit Anderen zur
    gezielten Unterstützung ihrer Bewegungskompetenz bzw. ihrer
    Selbstwirksamkeit zu nutzen.
 
Kinaesthetics nähert sich diesen Inhalten auf zwei Wegen. Die Verbindung beider Herangehensweisen begründet die Faszi- nation und Innovation von Kinaesthetics:
 
 • Förderung der Achtsamkeit für Qualität und Unterschiede der
    Bewegung durch Einordnung und Verständnis individueller Er-
    fahrungen mittels Instrumenten und Methoden von Kinaesthe-
    tics.
 • Ermöglichung kognitiver Bearbeitung theoretischer Grundlagen
    und wissenschaftlicher Forschung.

Kinaesthetics: Die Grundidee
 
Wir erlernen Bewegung und neue Bewegungsmuster, indem wir anderen Menschen in der Bewegung folgen. Jede Unterstützung wird so gestaltet, dass der Betroffene dabei die Selbstkontrolle über das Geschehen hat und jede Bewegungserfahrung, die er hat, nachvollziehen kann. Wir entwickeln Selbstkontrolle über neue Bewegung und entdecken unsere eigene Art, eine Tätigkeit durchzuführen, indem wir mit verschiedensten Varianten spielen.
 
Ein Mensch reguliert sein Leben auf jeder Ebene selbst. Alle Sinnessysteme, der Bewegungsapparat, alle inneren, vitalen Prozesse, wie Kreislauf, Atmen, Verdauung, sind reguliert durch aktives Benutzen der grossen Muskulatur im Körper. Das heisst, jeder Mensch, gleichgültig wie krank oder wie eingeschränkt seine Bewegung ist, muss sich selbst bewegen. Andernfalls verlieren die Sinnessysteme ihre Fähigkeit, Reize zu bearbeiten, Knochen produzieren keine Minerale und verlieren dadurch ihre Stabilität; Muskeln nehmen ab; und alle inneren Prozesse laufen auf einem minimalen Niveau. Die Gesundheit nimmt ab. Indem Patienten oder Bewohner in jeder Aktivität unterstützt werden "aktiv zu bewegen", wird die Gesundheitsentwicklung gefördert.
 
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Kinaesthetics: Die Wirkung
 
Da Bewegung eine Grundlage des Lebens darstellt, können Sensibilisierung der Bewegungswahrnehmung wie auch Entwicklung der Bewegungskompetenz zur Gesundheits-, Entwicklungs- und Lernförderung beitragen.
 
• Kinaesthetics kann neue Bewegungsmöglichkeiten erschließen,
   Rückenschmerzen, Verspannungen oder andere körperliche
   Beschwerden anzugehen, im Alter beweglich und selbständig zu
   bleiben, sich mit der eigenen Kreativität und Flexibilität (z.B. im
   Umgang mit Stress) auseinanderzusetzen.
 
• In der Begleitung von Neugeborenen, alten Menschen, Behin-
   derten, Patienten zeigt die Wirkung von Kinaesthetics doppel-
   ten Sinn, da Pflegende und gepflegte Menschen gleichermaßen
   von einer höheren Bewegungskompetenz profitieren. Pflegein-
   tervention als Interaktion basierend auf Kinasthetics führt zu er-
   staunlichen Fortschritten bei pflegebedürftigen Menschen und
   fördert die Gesundheit der Pflegeperson. Da Kinaesthetics mit
   Respekt vor der Autonomie des Gegenübers Lern- und Ent-
   wicklungsprozesse fördern will, wird auf diese Weise ein Beitrag
   zur Lebensqualität aller Beteiligten geleistet.
 
• Die praktische Kompetenz und Selbstverantwortung der Mitar-
   beiter/Innen wird gezielt gefördert, Kinaesthetics wird gleichzei-
   tig zum zentralen Faktor der Organisations- und Qualitätsent-
   wicklung.
 
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Kinaesthetics: Die Anwendung
 
Im professionellen Bereich ist Kinaesthetics in Europa seit ca. 20 Jahren in der Schulung von Fachpersonal im Gesundheits- und Sozialwesen tätig (pro Jahr ca. 3000 Basiskurse mit 40.000 Teilnehmerinnen). Die bestehenden Programme, insbesondere Neuentwicklungen, werden regelmäßig evaluiert und den Bedürfnissen aller Beteiligten angepasst. Kinaesthetics ist eine europäische Bildungsorganisation, zu der rund 1000 Kinaesthetics-TrainerInnen gehören. Die große Nachfrage wird durch verschiedene Kinaesthetics-Programme abgedeckt:
 
• Kinaesthetics in der Pflege richtet sich an professionell Pflegen-
   de (Kliniken, Pflegeheime)
• Kinaesthetics Pflegende Angehörige
• Gebiet der persönlichen Gesundheits- und Entwicklungsförde-
   rung: z.B. Kinaesthetics Gesundheit am Arbeitsplatz, Beweglich
   älter werden, Kreatives Lernen
• Organisationeller Bereich:
   Kinaesthetics-Assessment in Institutionen
 
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Kinaesthetics: Das Ziel
 
Ziel der Kinaesthetics ist es, die Voraussetzung für eine effektive Interaktion durch Berührung und Bewegung zu verbessern und dadurch das Lernen von Bewegung miteinander zu vereinfachen und zu erleichtern.
Die 6 Konzepte der Kinaesthetics, welche den Bewegungsaspekt jeder körperlichen Aktivität beschreibt, können dazu eingesetzt werden:
 
    1.) Interaktion
    2.) Funktionale Anatomie
    3.) Menschliche Bewegung
    4.) Menschliche Funktion
    5.) Anstrengung
    6.) Umgebung

 
Diese Konzepte dienen als analytisches und praktisches Werk- zeug, um eigene Bewegungsfähigkeit und Bewegungsfähigkeit anderer zu erweitern, Bewegungseingeschränkten Menschen zu helfen, die Grundmuster in ihrem Körper zu erfahren und somit das Fundament für die Entdeckung neuer Bewegungsmuster aufzubauen.
Kinaesthetics ist keine Technik, sondern ein Handlungsorien- tiertes Bewegungskonzept, dass sich mit Wahrnehmung und Steuerung der menschlichen Bewegung beschäftigt, wo das Körpergewicht nicht angehoben wird.
Der Patient oder zu Pflegender erhält auf dieser Weise selbst die Kontrolle über seinen Bewegungsablauf.
 
Das Lernverständnis: Didaktische Grundlage der Bildungsange- bote ist das Kinaesthetics-Lerrnmodel. Individuelle Bewegungs- erfahrungen des Alltags bilden Basis und Zugang zur kognitiven Auseinandersetzung mit Kinaesthetics. Die Sensibilisierung der Körperwahrnehmung hat direkte Auswirkung auf Bewegungs- kompetenz und Verhalten der TeilnehmerInnen in der Praxis. Kinaesthetics-TrainerInnen gestalten auf diesen Grundlagen eine in hohem Maße individualisierte und Prozessorientierte Lern- umgebung in Interaktion mit der Kursgruppe.
 
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Kinaesthetics: Die Organisation
 
Als Unternehmen ist Kinaesthetics ein dezentral geführtes Netzwerk, das aus drei Ebenen besteht:
 
Die Kinaesthetics-TrainerInnen sind in einem Betrieb angestellt oder freiberuflich tätig. Sie organisieren und gestalten selbstverantwortlich die Durchführung der Basiskurse (Grund-, Aufbau-, Peer Tutoring-Kurse).
 
Die Länderorganisationen sind wirtschaftlich und juristisch selbständig und vertreten die Interessen von Kinaesthetics in ihrem Land. Zusätzlich sind sie für die Aus-, Weiter- und Fortbildung der TrainerInnen, die Administration und die Vernetzung zuständig.
 
Die European Kinaesthetics Association (EKA) ist der Zusammenschluss aller Länderorganisationen. Sie koordiniert die übergreifenden Aufgaben und ist u.a. für Forschung und Entwicklung verantwortlich.
 
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Kinaesthetics: Die Geschichte
 
Der Begriff Kinaesthetics wurde erstmals Mitte der 70 Jahre in den Vereinigten Staaten verwendet und diente als Bezeichnung eines Kurses für Universitätsstudenten, die daran interessiert waren, ihre eigenen Bewegungen zu verstehen.
 
Dr. Frank Hatch hat seine Erfahrung in der Forschung auf dem Gebiet der Verhaltenskybernetik mit seinem Beruf als Tänzer verbunden und die ersten Kurse unter dieser Bezeichnung geleitet.
 
Ende 1970 nahm Dr. Lenny Maietta die Zusammenarbeit mit Dr Hatch auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse in der Verhaltenskybernetik der menschlichen Entwicklung und der Körperorientierten Psychologie auf.
 
In den ersten Jahren haben Frank Hatch und Lenny Maietta zusammen mit dem Tänzer John Graham gemeinsam eine erste Ausbildung in der Schweiz unterrichtet. Später haben sie ihre Arbeit in unterschiedlichen Richtungen weiterentwickelt.
 
Die ersten Kurse bezeichneten sie als "Touch Well". Ab 1988 wechselten Sie die Bezeichnung der verschiedenen Unterrichtsangebote zu Kinaesthetics.
 
Weitere Informationen finden Sie auch auf der offiziellen Internetseite www.kinaesthetics.de
 
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